Hierarchie – Eine Definition

Gegenwärtig leben wir in einem System, das auf hierarchischen Strukturen basiert.
Beispiele: Eltern → Kind / Erzieherin → Kind / Lehrer → Schüler / Professor → Student / Vorgesetzter → Angestellter etc.
Von Klein auf werden wir also an die Existenz von Autoritäten und Hierarchien gewöhnt (Kinder, die dies nicht akzeptieren und sich nicht oder nur widerwillig fügen, werden schnell als verhaltensauffällig, hyperaktiv oder schwer erziehbar eingestuft), um dann später als Angestellte es als völlig normal zu erachten, einen Vorgesetzten zu haben, der berechtigt ist einem Anweisungen zu geben.
Das Wort Hierarchie bedeutet so viel wie “heilige Herrschaft” (aus griech.hieros „heilig, gottgeweiht, zu den Göttern gehörig“ und griech. arche „Herrschaft“, zu griech. archein „herrschen“) und definiert eine Rangordnung, die von Priestern eingeführt wurde (also denjenigen, die sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen gestellt haben, den Glauben in diese “Welt” gebracht haben und damit den Geist / Willen anderer Menschen in die Hand genommen und in eine von Ihnen vorgegebene Richtung gelenkt haben). Ist es nicht äußerst bemerkenswert, dass sich eben diese von Priestern eingeführte Rangordnung wie ein roter Faden durch unsere heutige Gesellschaft zieht?
Hierarchien sind auch immer mit einer Abstufung des Zugangs zu Wissen (Erkenntnisebene) verbunden. Je höher ich in der Hierarchie stehe (bspw. im Unternehmen), desto mehr Einsichten / Überblick habe ich über die Abläufe und Prozesse des Unternehmens. Habe ich diesen Überblick nicht, bin ich auch nicht in der Lage die Geschicke des Unternehmens zu lenken.
Je tiefer ich in der Hierarchie stehe, desto weniger Einsichten habe ich darüber. Jedoch ist es für darunter liegende Ebenen und die Ausübung von deren Tätigkeit überhaupt nicht nötig, ja oftmals sogar hinderlich, diese Einsichten zu haben.
Hierarchien führen automatisch dazu, dass Menschen Tätigkeiten innerhalb eines Systems ausführen, das sie nicht vollständig oder auch nicht ansatzweise verstanden haben, und sie dadurch zu Instrumenten derjenigen werden, die die Dinge von einer höheren Ebene aus betrachten.

Analogie: Im Tal kann es oftmals sehr neblig/wolkig sein und die offensichtlichsten Dinge können nicht erkannt werden. Je höher ich auf den Berg steige, desto klarer und weiter wird die Sicht bis irgendwann die Sonne scheint und den Blick auf die Wolkendecke darunter freigibt.

Nebenbei: Unsere Bildungssysteme erzeugen diese Hierarchien (pyramidale Gesellschaftsstruktur), indem sie hohe Bildungsabschlüsse mit einem hohen Einkommen verknüpfen und niedrige Bildungsabschlüsse mit einem niedrigen Einkommen. Es werden Menschen herausgefiltert, die nach den Kriterien unserer Bildungssysteme als „gebildet“ eingestuft werden und dadurch in der Arbeitswelt über diejenigen bestimmen, die einen niedrigeren Bildungsstatus haben.

Wollen wir wirklich ein System akzeptieren, das Wissen und Erkenntnis über wahrlich relevante Dinge nur einer kleinen Minderheit zugänglich macht und dadurch die Unterdrückung und Beherrschung der Massen nicht nur ermöglicht, sondern systemisch bedingt?

Hierarchie und Macht

In hierarchischen System gilt:
„Wissen ist Macht“ (im Sinne der Herrschaft einer kleinen Minderheit, die in der Hierarchie ganz oben stehen)
In anarchischen „Systemen“ bzw. Netzwerken gilt:
„Wissen ist Potenzial“ (im Sinne der Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten für alle Menschen / für die Menschheit)

Löst man Hierarchien auf, so bilden sich automatisch (Kooperations-) Netzwerke.
Hierarchien verhindern also die Bildung von Netzwerken. Netzwerke jedoch haben die Eigenschaft, dass sie nicht zentral kontrollierbar sind, was einen Verlust an Macht und Einflussnahme zur Folge hat.
Je mehr Netzwerke es gibt, in denen Menschen bedürfnis- und lösungsorientiert kooperieren, desto weniger Macht und Kontrolle haben diejenigen, die bisher entsprechende Machtpositionen inne hatten.

Prof. Dr. Peter Kruse über „Netzwerke und Hierarchien“

Anarchie statt Hierarchie?

Anarchie bedeutet lediglich die Abwesenheit von Herrschaft (Nicht-Herrschaft) (aus griech. an– „nicht“ und griech. arche „Herrschaft, Regierung“, zu griech. archein „herrschen“), jedoch nicht die vollständige Abwesenheit von Regeln / Recht. Wenn man alles beiseite lässt, was an Recht künstlich erschaffen / gesetzt wurde (positives Recht), dann bleibt das übrig, was jedem Menschen innewohnt und ein Art natürliches Bewusstsein für Recht und Unrecht darstellt:

Es ist das Naturrecht (sofern man es überhaupt als Recht bezeichnen mag und es ist keineswegs kongruent mit dem positiven Recht), und besteht im Wesentlichen darin, keinem anderen Lebewesen (und natürlich auch nicht diesem Planeten) einen Schaden zuzufügen.

Auf dieser Basis (Abwesenheit von Herrschaft und Anwendung von Naturrecht) können sich (Kooperations-) Netzwerke bilden.

Ich denke, jeder Mensch ist von sich aus gut und würde auch gut bleiben, wenn man ihn lassen würde. Wie könnte man in einem kleinen Kind (2-3 Jahre) irgendwelche negativen Eigenschaften sehen? Diese Eigenschaften entwickeln sich erst dadurch, dass wir Generation für Generation unseren Kindern eine Welt als “Normalität” vorleben (sie auch danach erziehen, später übernehmen dies die Bildungssysteme und Medien), die geprägt ist von Autoritäten, Leistungsdruck und Leistungsvergleich, Wettbewerb und Konkurrenz, Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Begrenztheit und Mangel.

Durch das Rechtssystem / den Rechtsstaat entsteht der Eindruck, all diese Gesetze und Verordnungen seien nötig für die Organisation des Zusammenlebens von Menschen: Sie sind teils nicht nur vollkommen offensichtlich unnötig in vielen Fällen (bspw. etwaige EU Verordnungen), dienen der Wirtschaft / dem Kapital /denjenigen, die mit dem Recht ihr Geld verdienen (Stichwort Abmahn-Industrie), oder sie sind nur nötig, weil das (kapitalistische, materialistische) System, in dem wir leben, diese entweder unumgänglich werden lässt (Geld als Hauptursache für Rechtsstreitigkeiten) oder in uns negative Eigenschaften wie Gier, Neid, MissgunstAgressionen, Hass, aber auch Angst hervorbringen und fördern und damit ein Streitpotenzial entstehen lassen, das unseren Rechtsstaat als Retter in der Not dastehen lässt. Das kapitalistische System (bzw. jedes System, das Geld künstlich knapp hält, siehe Beweggründe – Mangel) schafft also ein Problem, das vorher nicht existierte. Der Staat fungiert dabei als Handlanger / Instrument dieser Systeme und bietet eine Lösung in Form des Rechtsstaates an.