Wie entsteht Konkurrenz?

Um dies zu verstehen, ist es zunächst wichtig zu wissen, wie Geld entsteht (Geldschöpfung). Im Folgenden nur sehr kurz die wichtigsten Punkte (mehr dazu unter Externe Videos – System oder hier): Geld entsteht heute ausschließlich durch die Vergabe von Krediten (durch Zentralbanken und Geschäftsbanken). Im verzinsten Geldsystem ist jeder Kredit zusätzlich mit Zinsen versehen, die ebenfalls zurückbezahlt werden müssen. Das Problem ist nur: Das Geld für die Zinsen wurde nie in Umlauf gebracht, sondern bleibt immer als Forderung der Bank bestehen. Schulden können also (bezogen auf das Gesamt-System) nicht zurückgezahlt werden, auch deshalb nicht, weil es dann kein Geld mehr gäbe. Geld ist Schuld.
→ Kreditkunden müssen immer mehr Geld zurückbezahlen als sie aufgenommen haben, dies alleine schon (neben anderen Faktoren, siehe unten) führt zu einem systembedingten Wachstumszwang
Wachstumszwang führt dazu, dass sich Unternehmen immer mehr ausbreiten (mehr von einem Handelsgut verkaufen bzw. das Sortiment erweitern müssen) und dadurch mit anderen Unternehmen , die ähnliche oder die selben Waren und Dienstleistungen anbieten, mehr und mehr in Konkurrenz und Wettbewerb treten müssen (auch ohne den von unserem heutigen Geldsystem verursachten Wachstumszwang, entsteht Konkurrenz aus der Annahme heraus, es sei nie genug für alle da, siehe unter: Beweggründe – Mangel und Knappheit).
Wachstumszwang führt mehr oder minder schnell zu einem Zustand, wo das vorhandene Angebot die bestehende Nachfrage vollkommen befriedigt bzw. darüber hinaus in den meisten Fällen das Angebot viel größer ist als die Nachfrage

Zum Einen sind es die Abhängigkeiten von Krediten (Es muss mehr zurückbezahlt werden als aufgenommen wurde), die Unternehmen dazu anhalten das Einnahmen / Ausgaben Verhältnis so zu gestalten, dass bspw. bei gleichen Ausgaben mehr Einnahmen erzielt werden → Profitmaximierung, um die Rückzahlung des Kredits sicherzustellen.
Auch verhält es sich so, dass ein Unternehmen mit einer hohen Wachstumsrate sehr viel wahrscheinlicher einen Kredit bekommt bzw. zu günstigeren Konditionen als eines mit einer niedrigen Wachstumsrate.
Zum Anderen ist es aber auch ganz allgemein die Verantwortung des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitnehmern, die den Arbeitgeber dazu anhält nach den Prinzipien der Profitmaximierung vorzugehen, um so das Unternehmen abzusichern und damit die Arbeitsplätze der Arbeitnehmer, nicht zuletzt aber auch sein eigenes Einkommen zu sichern. Hierzu gäbe es sicherlich noch einiges mehr zu sagen…
Je größer das Unternehmen desto weniger hat dies aber mit einer Art des Wirtschaftens zu tun, wie dies in kleinen und mittelständischen Unternehmen der Fall ist (bspw. durch Kapitalinvestitionen abseits des Kerngeschäfts etc.) und desto unbedarfter werden oftmals Arbeitgeber aber auch zu dem Mittel greifen, Arbeitsplätze im Zuge von Prozessoptimierungen zum Opfer der Profitmaximierung werden zu lassen. Der Arbeitnehmer wird so zum billigen und risikolosen Mittel, um die Geschäftsbilanzen zu “frisieren”.
Die Größe des Unternehmens spielt meiner Meinung nach auch aus dem Grund eine Rolle, da in sehr großen Unternehmen der Bezug von Führungsetagen zu den Arbeitnehmern nahezu vollständig verloren gegangen ist, die Konsequenzen des eigenen Handelns sich dadurch oft nur in Zahlen ausdrücken und so anderweitige Lösungen für die Probleme und Herausforderungen des Unternehmens mangels Dialog / Kommunikation mit den Arbeitnehmern nicht gefunden werden können oder wollen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Da alle Unternehmen das Bestreben haben, am Markt zu bestehen und sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen, gibt es nun mehrere Mittel, wie Sie dennoch so viel Gewinn machen können, so dass Ihre Existenz gesichert ist (Gewinnmaximierung als Ziel):

  • Steigerung der Qualität der angebotenen Waren / Dienstleistungen
    Nicht in allen Bereichen möglich und/oder sinnvoll und meist auch nicht die erste Maßnahme, die ergriffen wird.
    Üblicherweise erhöhen sich dadurch die Kosten, die auf den Verkaufspreis umgelegt werden müssen.
    → Je höher der Preis, desto kleiner die Zielgruppe, desto geringer die Nachfrage
    → Allein auf Grund der ungleichen Vermögensverteilung kann eine Maximierung der Qualität, wie sie an sich sinnvoll wäre, systembedingt nicht das Ziel sein
    → Die Masse kann oder will es sich nicht leisten, qualitativ hochwertige Waren zu kaufen
    (die objektive Qualität von Produkten, die für die Massen bestimmt sind, kann sich also auch nur in einem durch den Preis vorgegeben Rahmen bewegen)
    → Durch Marketing jedoch kann die Definition und das subjektive Bewusstsein für Qualität effektiv im Interesse der Profitmaximierung geformt und erzeugt werden:
    → Kriterien für Qualität durch entsprechendes Marketing nur selektiv hervorgehoben werden (und dadurch andere Kriterien wie bspw. Langlebigkeit oder Auswirkungen auf Gesundheit / Umwelt bei der Kaufentscheidung nicht mehr als Qualitätsmerkmal berücksichtigt werden)
    → der Eindruck erzeugt wird , Käufer würden zu einem durchschnittlichen Preis eine überdurchschnittliche Qualität bekommen
    → Durch preisbezogenes Marketing, das mit Slogans wie „Geiz ist Geil“ und „Wer mehr zahlt ist selber schuld“ wirbt, wird das bei der Masse ohnehin schwach vorhandene Bewusstsein für Qualität weiter geschwächt und in Richtung Quantität (Preis) verschoben (Je geringer das Einkommen, desto entscheidender ist verständlicherweise der Preis bei der Kaufentscheidung und desto wirksamer ist preisbezogene Werbung)
    → Dadurch, dass die Masse des Marketings sich ebenso dort abspielt, wo die meisten Konsumenten zu finden sind, erreichen dessen Botschaften eine dementsprechende Massenwirkung, die sich auch auf Käuferschichten ausbreitet, die sich eigentlich höherwertige Produkte leisten könnten, aber von der allgemeinen „Wer mehr zahlt ist selber schuld“ –Mentalität beeinflusst werden und ebenso bereitwillig (noch dazu mit einem guten Gefühl, denn „Ich bin ja nicht blöd“) Massenprodukte konsumieren, deren Qualität doch oftmals fragwürdig ist
    → Der Wettbewerb um Qualität innerhalb eines Preissegments hat jedoch Grenzen und es müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, um sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen
    → Wenn die Konkurrenz parallel allerdings auch die Qualität steigert, stellt diese Maßnahme keinen wettbewerblichen Vorteil mehr dar und es müssen ebenfalls andere Maßnahmen (siehe nächste Punkte) ergriffen werden.
  • Senkung der Preise der angebotenen Waren / Dienstleistungen
    → Erhöhung der Nachfrage
    → Diese Maßnahme alleine kann unter Umständen auch zu mehr Gewinn führen (Wenn der Preis zuvor zu hoch angesetzt war und der niedrigere Preis/ Umsatz pro Stück durch eine erhöhte Anzahl an Verkäufen ausgeglichen bzw. übertroffen werden kann)
    → Gleiches hier: Wenn die Konkurrenz parallel allerdings auch die Preise senkt, stellt diese Maßnahme keinen wettbewerblichen Vorteil mehr dar und es müssen andere Maßnahmen ergriffen werden.
    → Häufig ist jedoch auch so, dass parallel dazu Betriebskosten gesenkt werden müssen, um den Gewinn erhöhen zu können (zu maximieren):
    Personalkosten
    Senkung der Personalkosten von bestehenden Mitarbeitern (eher unüblich)
    oder Beschäftigung von günstigerem Personal, das möglicherweise weniger qualifiziert, aber dennoch ausreichend ist.
    ggfs. günstigere Einkaufspreise verhandeln
    → Weitergabe des Konkurrenzdrucks an andere Unternehmen (die dadurch nach und nach die selben Maßnahmen ergreifen müssen, um auf dem Markt bestehen zu können)
    kostengünstigere Materialien / Herstellungsmethoden einsetzen
    erfüllen auf den ersten Blick den selben Zweck, bei näherer Betrachtung bringen sie ggfs. aber Nachteile für den Kunden und/oder die Umwelt (und damit letztendlich wieder für den Menschen und andere Lebewesen) mit sich, die sich möglicherweise erst nach Jahren herausstellen (gesundheitsschädliche Materialien, verminderte Haltbarkeit oder Umweltschäden)
    → Unterstützung von eben solchen Unternehmen / Industriezweigen, die darauf spezialisiert sind, Waren zu produzieren, die eine temporäre Zweckmäßigkeit erfüllen
    → Nebeneffekt: Kunden müssen häufiger Waren nachkaufen, da sie schneller verschleißen (Geplante Obsoleszenz gerade bei elektronischen Geräten treibt das ganze noch auf die Spitze)
    sonstige Ausgaben reduzieren
  • Marketingaktivitäten erhöhen
    → Erhöhung der Nachfrage
    → Die verkaufsfördernde Aufbereitung von Werbetexten ist Aufgabe des Marketings
    (Kompromiss aus wahrheitsgetreuen und maximal verkaufsfördernden Informationen)
    → Der Übergang von verkaufstechnisch optimierten Werbetexten, Halbwahrheiten, gezieltem Weglassen von Informationen bis hin zur Lüge ist fließend
    Bsp.: Kostengünstigere Materialien können mit Hilfe von entsprechendem Marketing problemlos überspielt werden (durch Lenkung der Aufmerksamkeit auf andere Bereiche und neue Features, durch ansprechenderes Design, entsprechende Formulierungen etc.), ohne, dass die Masse der Kunden dies bemerken würde
    (ein recht unterhaltsames Videos genau zu diesem Thema, allerdings in der Wortwahl nichts für Zartbeseitete :-): George Carlin on Advertising)
    → Zudem ist es so, dass Großunternehmen / Konzerne meist etwas tiefer in die Marketing-Trickkiste greifen und mit Hilfe dieser Methoden bspw. eine künstliche Nachfrage generiert werden kann, die durch manipulative Werbung (unter Zuhilfenahme neuester Erkenntnisse aus der Hirnforschung / Psychologie oder durch altbekannte Methoden wie der künstlichen Verknappung bspw.) bewirkt, dass Bedürfnisse beim Konsumenten erweckt werden, die er zuvor gar nicht oder nicht in dem Umfang hatte. Auf diese Weise wird die Nachfrage auf ein jeweiliges Angebot künstlich erhöht, um damit dem Bedürfnis nach Wachstum eines Unternehmens, eines Konzerns oder einer ganzen Industrie gerecht zu werden
  • Erschließung von Marktnischen
    Marktnischen (mit geringerer Konkurrenz) können (parallel) besetzt werden. Sobald diese jedoch lukrativ sind, werden sie zunehmend auch von anderen Marktteilnehmern erschlossen, der Konkurrenzdruck steigt wieder und das Spiel beginnt von Neuem.

All das sind gängige (beispielhafte) Maßnahmen, die Unternehmen gezwungenermaßen, mehr oder minder ausgeprägt, irgendwann treffen müssen, um am Markt sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen.

Der Konsument wird dadurch von den Unternehmen (insbesondere von Großkonzernen) selbst so zurechtgeformt, wie es die Unternehmen benötigen. Die Marktwirtschaft (Kapitalismus), die auf den Regeln des eingangs beschriebenen Geldsystems basiert, muss systembedingt nach diesen Prinzipien funktionieren.
Wen wundert es dann noch, wenn wir uns in einer einer Welt wiederfinden, die uns in so gut wie allen Bereichen, wo es der Profitmaximierung / den Interessen des Kapitals dienlich ist (und die Welt ist leider ein Geschäft geworden), mit Lügen und Halbwahrheiten umgibt?

Wie können wir annehmen, dass konkurrierendes Verhalten uns als Menschheit eine qualitative Verbesserung des Zusammenlebens ermöglicht? Wie können wir erwarten, dass wir als Menschheit wahrhaften Fortschritt erreichen, wenn wir an ein System glauben, in dem die besten Ideen und Erkenntnisse unter Verschluss gehalten (gegenüber der Konkurrenz), mit Patenten und Urheberrechten geschützt (und damit eben nicht für jedermann zugänglich sind) oder gar absichtlich aufgekauft und ignoriert werden (und damit niemandem nutzen außer denjenigen, die mit der Unkenntnis der Massen Geld verdienen), nur damit einige Wenige (weiterhin) davon profitieren können?

Kooperation statt Konkurrenz

Die auf dieser Seite beschriebenen Kooperations-Netzwerke sind nicht Teil unserer wirtschaftlichen Systeme und damit auch nicht Konkurrenz und Wettbewerb ausgesetzt (und den oben aufgeführten, damit verbundenen Konsequenzen), da sie eine ganz andere Zielsetzung verfolgen, nämlich die Befriedigung / Erfüllung der Bedürfnisse aller Beteiligten. Es werden keine Waren für einen anonymen Markt produziert, sondern entweder unmittelbar für sich selbst, für andere Beteiligte oder für Menschen, zu denen man einen mehr oder minder ausgeprägten Bezug hat.

Jeder Einzelne weiß somit, für wen er etwas produziert.
Frage: Würde man einem Freund / Bekannten ein minderwertiges Produkt geben, bspw. ein Lebensmittel , obwohl ich weiß, dass dort Stoffe enthalten sind, die schlicht und einfach nicht für den Verzehr gedacht sind (wie sie in heutigen industriell hergestellten Lebensmittel üblicherweise enthalten sind)?
Nein, natürlich nicht. Fehlen jedoch die Bezüge und Beziehungen zueinander (Produzent <-> Konsument), so ist die Hemmschwelle, dies zu tun, ungleich niedriger bzw. es entsteht (auch gefördert durch den hohen Grad der Arbeitsteilung, wo viele Menschen einfach nur einen Job machen, um Geld zu verdienen) gar nicht erst ein Gefühl dafür, dass etwas nicht stimmen könnte.
Wenn dieses Produkt allerdings für einen Freund bestimmt ist, so werde ich es nach bestem Wissen und Gewissen, ja vielleicht sogar mit Liebe herstellen :-)