Was sind Schenkbeziehungen?

Eigentlich ist es das Selbstverständlichste, was man sich nur vorstellen kann und würde keiner Erklärung bedürfen, wenn Menschen nicht Schritt für Schritt eine Lebensweise akzeptiert hätten, in der genau das Gegenteil, nämlich die Tausch- und Handelsbeziehung, zur Normalität geworden ist. Schenkbeziehungen sind die natürlichste Art und Weise, wie Menschen miteinander in Beziehung gehen. Menschen teilen und schenken das, was sie besonders gerne / mit Freude tun und empfangen das, was andere wiederum besonders gerne / mit Freude tun. So ist immer sichergestellt, dass alle die bestmögliche Qualität bekommen. In Familien ist das Schenken noch üblich, doch sobald es darüber hinaus geht, werden diese bedingungslosen Beziehungen durch bedingte Beziehungen ersetzt (Du bekommst nur etwas, wenn ich auch etwas bekomme). Das Vertrauen weicht so dem Misstrauen. Und je mehr wir anderen Misstrauen entgegenbringen, desto mehr hat dies weiteres Misstrauen zur Folge. Dies führt zwangsläufig dazu, dass die Lebensqualität von Menschen immer weiter abnimmt. Die Welt wird immer schlechter, so heißt es dann. Doch was ist die Welt anderes als die Summe von dem, wie sich Menschen verhalten und was sie tun? Dein Einfluß auf diese Welt mag vielleicht, insgesamt gesehen, nicht besonders groß sein, doch wie sieht es mit der Welt aus, die dich unmittelbar umgibt und damit für dein Leben relevant ist? Nur wenn immer mehr Menschen bei sich selbst anfangen und ihre Welt ändern, dann kann sich auch die Welt ändern.

Schenkbeziehungen sind, neben anderen auf dieser Seite beschriebenen Ideen und Gedanken, eine Möglichkeit, um den Mangel an Vertrauen und Beziehung aufzulösen. Im Unterschied zum Tausch/Handel (auch Geld basiert auf Tausch) müssen Schenkbeziehungen weder materiell äquivalent sein noch zeitgleich stattfinden (Details siehe weiter unten). Sie basieren nicht auf materiellen und objektiven Werten (Quantität), sondern auf immateriellen und subjektiven Werten (Qualität). Eben auf all dem, was menschliche Beziehungen ausmacht.

Warum Schenkbeziehungen?

Verschenken tue ich nur dann etwas, wenn:

  • ich Beziehung und Vertrauen habe oder aufbauen möchte
  • ich mehr als genug habe (geistig und/oder materiell in der Fülle bin)
  • es von Herzen kommt
  • es mir Freude macht oder ich weiß, dass es anderen Freude macht bzw. ich ihnen damit helfen kann
Schenken aus der Fülle

Wenn ich selbst in der Fülle bin (also mehr als genug habe, geistig in Form von Wissen, Fähigkeiten und Talenten und/oder materiell in Form von Besitztümern) dann kann ich diese Fülle mit anderen teilen, ohne, dass ich selbst Schaden davon nehme. Ganz im Gegenteil wird hierdurch meine eigene Lebensqualität gesteigert.
Denn je mehr ich diese Fülle mit anderen teile, desto mehr können alle anderen davon profitieren.
Und wenn andere Menschen in meinem Umfeld mir wohl gesonnen sind und ich vielleicht sogar einen Teil dazu beitragen konnte, dass es ihnen besser geht, dann wird auch meine Lebensqualität dadurch gesteigert.
Dies führt zu einer Fülle an qualitativen Beziehungen (siehe Fülle statt Mangel).

Schenken von Herzen

Und wenn es von Herzen kommt, dann schenke ich nur Dinge, von denen ich weiß, dass sie gut sind.
So können beide davon profitieren und eine Qualität bekommen, die über den Tausch/Handel nicht zu bekommen ist.

Schenken macht Freude

Zudem erzeugt Schenken etwas, was vorher nicht da war:
z.B. Gefühle wie Freude und Dankbarkeit (über das Geschenkte und ggfs. die lobenden Worte über dessen Qualität)

Was kann ich schenken?

Selbstgemachte Lebensmittel:
wie Kuchen & sonstiges süßes Gebäck, Brote, Marmelade, Öle, Aufstriche, Dips, Pestos…
Selbstgemachte Gebrauchsgüter:
wie Seifen, Kerzen, Duftöle…
Oder auch all das, was man unter Nachbarschaftshilfe versteht w.z.B.:
Briefkasten ausleeren, Handwerker reinlassen, PC-Hilfe, Kinder- und Tierbetreuung, Einkaufshilfe…

Später dann, wenn beide schon mehr voneinander wissen, können dies auch ganz andere Dinge/Fähigkeiten sein, von denen man weiß, dass sie der Andere gebrauchen kann bzw. sich darüber freuen würde.

Wie kann ich eine Schenkbeziehung beginnen?

Du kannst/machst manche Dinge besonders gut/gerne? Dann verschenke sie einfach an Menschen aus deiner Umgebung.
Hierfür bräuchtest du natürlich kein Internet und auch kein CHANGE-Netzwerk 🙂
Das CHANGE-Netzwerk ermöglicht es jedoch, dass du einen Menschen in deiner Umgebung finden kannst, dessen Profil dich anspricht bzw. umgekehrt, du von jemandem gefunden werden kannst, der auf dein Profil anspricht.
Außerdem habt ihr so schon mal mindestens eine Gemeinsamkeit:
Ihr habt euch beide von den Inhalten des Netzwerks angesprochen gefühlt und euch online eingetragen.
Trage also am besten das, was du dir vorstellen kannst zu verschenken (Beispiele siehe vorheriger Punkt), im Formular zur Eintragung unter Schenkbeziehungen ein, so kann auch ein anderer auf dich zukommen, wenn er das möchte.

Was sind die Unterschiede zwischen Schenkbeziehungen und Tauschgeschäften/Handelsbeziehungen?

 

Tauschgeschäfte/Handelsbeziehungen
  • sind bedingte Beziehungen und basieren auf einem Mangel an Beziehung und Vertrauen.
    Prinzip von Leistung und Gegenleistung: Nur wenn ich etwas bekomme, bekommst du auch etwas
  • sind nach jedem Austausch abgeschlossen, da sie auf einem materiell äquivalenten (individuell ausgehandelten oder vom Markt vorgegeben) Tauschwert basieren.
  • finden meist synchron (zeitgleich) statt
  • berücksichtigen nicht die Situation / Befindlichkeit des jeweils anderen, da sie lediglich auf die materielle Ebene beschränkt sind. Menschen, die tauschen / handeln, kommen nur aufeinander zu, wenn sie selbst materiell davon profitieren.
    Im Zweifelsfall werden sie sich also nicht unterstützen, wenn einer von beiden keine Gegenleistung erbringen kann.
Schenkbeziehungen
  • sind bedingungslos (kein Erwarten einer Gegenleistung) und basieren auf Beziehung und Vertrauen
  • sind nicht abgeschlossen nachdem sich 2 Menschen etwas geschenkt haben, da sie nicht auf materiellen und damit objektiv messbaren Werten, sondern auf immateriellen und nur subjektiv spürbaren Werten (w.z.B. Freude, Dankbarkeit, Anerkennung, Großzügigkeit, Mitgefühl, Liebe uvm.) basieren. Jedes Geschenk kann damit der Anfang für ein erneutes Geschenk sein (wie ein geschlossener Kreis).
  • finden meist asynchron (nicht zeitgleich) statt
  • berücksichtigen die Situation / Befindlichkeit des jeweils anderen, da sie nicht nur auf die materielle Ebene beschränkt sind. Menschen, die eine Schenkbeziehung und damit Vertrauen aufgebaut haben, kommen auch aufeinander zu, wenn sie selbst nicht materiell davon profitieren.
    Bsp.: Wenn es mir im Moment nicht gut geht und ich einem anderen Menschen für eine gewisse Zeit nichts schenken kann, so kann der Andere sich ohne Weiteres dazu entscheiden, mir dennoch bzw. gerade deswegen etwas zu schenken.
  • Schenken und Teilen kann ich aus einem Zustand der Fülle heraus (diese kann geistiger oder materieller Natur sein). Von geistiger Fülle kann z.B. dann die Rede sein, wenn ich eine besondere Fähigkeit oder gar ein Talent habe. Dies kann z.B. die Herstellung von sebstgemachten Lebensmitteln oder anderen Gebrauchsgütern sein.

Menschen sind fühlende, nicht berechnende Wesen

Tausch und Handel basieren auf der Annahme, dass alles einen Preis hat und damit quantitativ bewertet werden kann. Dass wir Materie (z.B. Produkte) und Taten (z.B. Dienstleistungen) bewerten können, steht außer Frage, aber doch erst mal nur mit unseren angeborenen Sinnen und Gefühlen. Wir Menschen sind fühlende Wesen, nicht berechnende Wesen (was sicher auch ein Grund dafür ist, warum viele Menschen nicht mit Geld „umgehen“ können). Und Gefühle können nur rein subjektiv bewertet und empfunden werden.

Was für den Einen der höchste Genuss ist, kann für den Anderen die größte Qual sein.
Was für den Einen zu viel ist, ist für den Anderen zu wenig.

Der Versuch, objektive und quantitative Bewertungskriterien auf menschliches Zusammenleben anzuwenden ist inkompatibel mit dem subjektiven und qualitativen Bewerten (Fühlen) von Menschen, da eine intelligente und vielschichtige Bewertungsskala auf ein primitives und einfältiges Schema reduziert wird.
Beispiele:
Schadensersatz bei tödlichen Unfällen (Wie viel ist ein Menschenleben wert?)
Wie viel Geld benötige ich, um ein erfülltes Leben zu führen? (Was ist meine Vorstellung von „erfüllt“?)
Wie viel kostet eine Traumreise? (Wovon träume ich? Kann man dies überhaupt mit Geld kaufen?)
→ Wie viel kostet ein Lebensmittel? (Ohne „Lebens“mittel kein Leben, wie viel ist mir mein Leben wert?)

Die Grundlage für menschliches Zusammenleben ist die Beziehung und deren Qualität, nicht
der Tausch oder Handel und dessen Quantität (z.B. Geld).