Heilberufe und Wirtschaftswachstum – wie passt das zusammen?

Wenn es tatsächlich das erklärte und vorrangigste Ziel des Gesundheitssystems wäre, Kranke dauerhaft zu heilen, wie kann dann der wirtschaftliche Umsatz mit eben diesen Kranken gleich bleiben oder gar noch weiter anwachsen? Die Antwort ist einfach: Dies ist nicht möglich.

Und da die großen Konzerne mit Krankheit ihr Geld verdienen (und nicht mit Gesundheit), sich darüber sehr wohl bewusst sind, wissen sie auch genau, in welchem Zustand sie den Patienten halten müssen, damit ihre Umsätze weiter steigen. Auch so mancher Arzt ist sich darüber im Klaren:

“Was bringt den Doktor um sein Brot? a) Die Gesundheit, b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf daß er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe.”


Würde das vorrangigste Ziel des Gesundheitssystems die Gesundung und Heilung von Kranken sein, dürfte es auch nicht mehr darum gehen Symptome zu behandeln, sondern darum, Ursachen zu finden. Würde dies getan werden, müsste unsere heutige Welt und die damit verbundene Lebensweise als Ursache identifiziert werden, und ein Arzt müsste demnach einem Patienten (wobei die Begrifflichkeit „Patient“ von lat. patiens: duldend, geduldig, leidend, nicht mehr zutreffend wäre) nahelegen, seine Lebensgewohnheiten, möglicherweise auch seinen Lebensraum mehr oder minder radikal zu verändern. Kurzum müsste ein Mensch sich aus der Rolle des Patienten erheben und damit beginnen, seine Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen, eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu handeln. Doch das allgegenwärtige Wirtschaftssystem nutzt und fördert (auch in allen anderen Bereichen) die Bequemlichkeit, Passivität und Abhängigkeit der Menschen (Patienten / Konsumenten) zu Gunsten des Handels und des Wirtschaftswachstums. Medikamente einzunehmen ist die bequemste Variante, erfordert am wenigsten Eigenantrieb und ist die vollständige Übertragung der Verantwortung für die eigene Gesundheit an vermeintliche Experten, in dem Glauben, dass die Ursache einer Krankheit damit behoben würde.

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